Letzte Aktualisierung:
16.11.2017, 13:04 Uhr


Haus der LandwirtschaftDas von den Vereinten Nationen 2014 ausgerufene Jahr zum "Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe" geht allmählich zu Ende. In Herrsching am Ammersee befasste sich der Landesausschuss der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband während einer Tagung mit der Frage nach der Zukunft bäuerlicher Familienbetriebe.

Zu einer breit angelegten Podiumsdiskussion waren Vertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen geladen: Die städtische "Generation Landlust" mit der "Natur als Ersatzreligion" kritisierte der Berliner Buchautor Andreas Möller; die Hühnerzüchterin Agnes Witschen aus dem Weser-Emsland berichtete von ihren Exporten, die nur nach Holland gingen. Selbstbewusst stellte sich die bayerische Vollblut-Jungbäuerin Caroline Brielmeier als Unternehmerin mit Empfehlungen zum Thema Wachstum vor; Verbraucherwünsche und -verhalten wurden durch Marion Breithaupt-Endres von der Verbraucherzentrale Bayern e.V. formuliert. Moderator der Diskussion war der Chefredakteur des dlz-Agrarmagazins, Detlef Steinert. Carl Seidl von der REWE Group zeigte regionale Vertriebsmöglichkeiten auf.


Aus dem Stall + vom Feld bis auf den Teller
Ein Drittel der insgesamt 30.000 deutschen bäuerlichen Familienbetriebe gibt es allein in Bayern, erläuterte Marion Breithaupt Endres von der Verbraucherzentrale Bayern e.V. Sie beobachtet den derzeitigen Trend, das deutschlandweit mehr Regionales als Bio nachgefragt sei.

Der Erzeuger wird gleichzeitig Direktvermarkter und braucht Handelsbeziehungen - sowohl mit konventionellen als auch mit Bio-Produkten. Eine Möglichkeit des regionalen Vertriebes zeigte Karl Seidl auf.

Allein der Preis entscheidet
Kritisch, durch die gesellschaftliche Brille, sah Möller  das Verhalten städtischer Verbraucher, die mal eben - quasi als Event zum Wochenende - kilometerweit fahren, um auf dem Land Produkte einzukaufen, an denen "noch die Erde hafte", wo doch in der Stadt Versorgungssicherheit herrscht. Weiterhin erkennt er beim Verbraucher eine große Anspruchs- und Erwartungshaltung.

Die Idylle als Kulisse vor der Wirklichkeit
Die Weser-Ems Bäuerin Agnes Witchen schilderte plastisch ihre bäuerliche Kulisse mit Fachwerk und der gewinnträchtigen Biogasanlage & Hähnchenzucht dahinter.  - Der Diversität ist in vielerlei Hinsicht noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Auch ein Landwirt ist Unternehmer

Er trägt das Risiko des Erfolges und haftet. Jungbäuerin Brielmeier, Sprecherin des 120. Herrschinger Grundkurses, betonte die Tradition und die Weiterentwicklung sowie die Nachhaltigkeit.

Sie warnte vor dem Risiko zu großen Fremdkapitals für Investitionen: Damit könne man sich gehörig übernehmen. Gleichzeitig plädierte sie für eine moderate Weiterentwicklung. Schließlich bringe eine Verdopplung des Viehbestandes auch doppelt so viel Arbeit, die dann ohne zusätzliche Arbeitskräfte nicht mehr zu bewerkstelligen sei.   

Verantwortungsvolles Handeln
Am Ende gab es Fragen und Statements von Kreisbäuerinnen, die leidenschaftliche Plädoyers für familiengeführte Betriebe hielten, die sich ganz besonders durch ihre Flexibilität & Kreativität auszeichneten. Betont wurde, dass Frauen das Herz der Familienbetriebe seien, und auch soziale Aufgaben wie Pflege und Betreuung übernehmen. Eine Familie halte zusammen und zeige mehr Verantwortung. Das Problem mit dem "Urlaubmachen-Können" sei lösbar.

Vom Beruf und der Berufung
Mit ihrem Ziel, Traditionen zu bewahren & weitergeben zu wollen, übernehmen landwirtschaftliche Familienbetriebe eine umfassende gesellschaftliche Aufgabe & Verantwortung, die sie unentbehrlich im Erhalt einer bäuerlich geprägten und kleinstrukturierten Kulturlandschaft machen, die zugleich auch als Basis für den Fremdenverkehr attraktiv sein will & damit den Freizeit- sowie Erholungswert einer Region stärkt.
Mit den weitreichenden Auswirkungen dieser bäuerlichen Familienbetriebe auf andere Bereiche des Handels und des Gewerbes sind sie damit auch über ihre familiären/betrieblichen Interessen hinaus von Bedeutung.

Der wirtschaftliche Kreislauf - Image und Emotionen
Der Preis entscheidet über den Kauf eines Produktes. Darüber war man sich einig. Und damit liegt beim Verbraucher ein Großteil der Verantwortung. Massentierhaltung, Tier- und Verbraucherschutz, das sind Themen, denen sich besonders und deutschlandweit die konventionelle Landwirtschaft stellen müsse & mehr Öffentlichkeitsarbeit erforderlich sei.