Letzte Aktualisierung:
16.11.2017, 13:04 Uhr

Wallfahrtskirche St. Marinus-Anian in Wilparting

„Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.“

(Theodor Storm, 1855)
 

Wallfahrtskirche WilpartingDie Wallfahrtskirche St. Marinus-Anian in Wilparting ist nicht nur ein Barockjuwel, sondern auch ein hervorragender Konzertraum. Eine ideale Akustik für a cappella – ohne Mikrofon & Lautsprecher.
Die Chorgemeinschaft Irschenberg gastierte unter Leitung von Hans Billo dieses Jahr nun schon zum zehnten Mal in diesem Gotteshaus. Die Kirchenbänke waren voll besetzt, auch die Empore. Begleitet wurde der Chor von dem Gesangsquartett „Die Vier Nachtigallen". Beide wechselten sich ab und boten ein kontrastreiches, spannendes Programm.
Der Chor eröffnete den Abend modern, mit Komponisten des 20. Jahrhunderts: mit dem „Laudate“ des Norwegers Knut Nystedt (*1915) und zwei Stücken des Spaniers Javier Busto (*1949)

Das Nachtigallen-Quartett sang dann sechs Volkslieder: u. a. das von Christian Heinrich Rinck vertonte „Abend wird es wieder“ von Hoffmann von Fallersleben bis zu Matthias Claudius „Der Mond ist aufgegangen“.

Die Chorgemeinschaft blieb danach der Moderne treu und brachte das mächtige, fast orchestrale und von Tempowechseln bestimmte „Kyrie“ des Polen Piotr Janczkak (+1972) sowie das an einigen Stellen an Leonhard Bernstein erinnernde „Gloriosa dicta sunt“ des Litauer Vytautas Miškinis (*1954) zu Gehör. Felix Mendelssohn-Bartholdys „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ beschloss diesen Part des Chores.
Chorgesang am Irschenberg
Die Nachtigallen
lobten  in ihrem letzten Auftritt „Gottes schöne Welt“ (von Julius Rodenberg nach einer märkischen Volksweise), besang dann alle Vöglein (wiederum von Hoffmann von Fallersleben), ließen Theodor Storms lyrische „Nachtigall“ in der Vertonung von Max Erdmannsdörfer erklingen und endeten mit dem Traditional „Kum ba yah“ (Komm zu uns, Herr). Zwischendurch hatten sie zur Auflockerung auch zwei humoristische Mundartgedichte vorgetragen.

Der Abend endete mit dem kraft- wie schwungvollen Spiritual „Soon ah will be done“. Langanhaltener Beifall erzwang die Zugabe „Oh my Prayer“, die das Publikum in die Abenddämmerung entließ, in der sich bereits in den Wiesen und den Tälern der traumverlorenen Landschaft südlich des Irschenbergs der Nebel bildete. Bei manchem werden die schönen Stimmen und ihr süßer Schall in Hall und Widerhall nachgeklungen haben – ein inspirierender Chorabend.