Letzte Aktualisierung:
21.09.2017, 08:07 Uhr

Ein Maler wie ein Chirurg

(7.8.14) - Am 22. August 21014 wurde die Miesbacher Christian-Schad-Ausstellung im Waitzinger Keller eröffnet. Sie ist bis zum 21. September 2014 zu sehen.

Zum 120 Geburtstag des Malers Christian Schads – er wurde am 21. August 1894 in Miesbach geboren – und im Rahmen der 900 Jahrfeier der Kreisstadt werden nun Holz- und Linolschnitte, Schadographien, Radierungen von ihm gezeigt.

Sein Werk wird vor allem der Neuen Sachlichkeit zugerechnet. Er war neben George Grosz & Otto Dix und anderen einer der wichtigsten Vertreter des Verismus (italienisch verismo von vero “wahr“). Dieser Begriff geht auf die sozialkritische Literatur des 19. Jahrhunderts in Italien zurück. Er wurde auf die italienische Oper dieser Zeit übertragen, später auf den Film und seit den 1920er Jahren in Deutschland auch auf die bildende Kunst, die sich kritisch mit den gesellschaftlichen Folge- und Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs beschäftigte.

1928 gründete sich die Gruppe der Veristen. Sie porträtierten Kriegsgewinnler & -verlierer, die Großstadt und die selbstbewussten "neuen" Frauen.

Für den Kunstkritiker Wieland Schmied war Schad der "härteste, exakteste, sachlichste" der Veristen: „Kein Maler seiner Zeit konnte Haut so malen wie er, (…) so verletzlich und transparent mit dem durchscheinenden Netz feinster Äderchen, durchpulst von intensivster Sinnlichkeit." Sein Mal-Werkzeug sei wie das "Besteck eines Chirurgen", meint Schmied.

<---
"Operation" (1929) - zu sehen in der Städtischen Galerie im Lenbachaus & Kunstbau, München (Schad Stiftung Aschaffenburg)

Im Mittelpunkt seiner Arbeit habe immer "der Mensch und seine Zustände" gestanden, bekräftigte einmal Schad: "Der Mensch als Einzelwesen, nicht in der politischen Masse. (...). Jeder Mensch ist zugleich auch ein anderer. (…) Spiegelungen einer inneren Welt."

Der Sohn des Geheimen Justizrates Carl Schad und dessen Frau Marie, geborene Fohr, war der Urgroßneffe des Malers Carl Philipp Fohr. Er wuchs in München auf und studierte an der dortigen Kunstakademie, brach die Ausbildung jedoch ab und lebte fortan als freier Künstler. Später bewegte er sich im Umfeld der Dadaisten  in der Schweiz.
 
Sein Werk wurde von den Nationalsozialisten als „entartet“ denunziert. Schad zog sich daraufhin ins „innere Exil“ zurück und wurde Geschäftsführer eines Berliner Brauereidepots.  In den Sommermonaten hielt er sich für Naturstudien immer wieder in der elterlichen Jagdhütte in Valepp auf.
Nach der Bombardierung Berliners zog er 1942 nach Aschaffenburg, wo er, nur von Reisen unterbrochen, bis zu seinem Tod 1982 lebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er sich erneut der expressiven Malerei und Druckgrafik zugewandt. Es entstanden Werke im Sinne eines „Magischen Realismus“. Anfang der 1960er Jahre fertigte er wieder wie schon in den Zwanziger Jahren Fotogramme an. In den 1970er Jahren malte er dann wieder realistisch wie in seiner Frühzeit
 
Mit einer Ausstellung im Palazzo Reale in Mailand 1972 begann seine Wiederentdeckung. 1980 ehrte ihn die Kunsthalle Berlin mit einer großen Retrospektive. Christian Schad starb am 25. Februar 1982 in Stuttgart (biografische Daten); seine Witwe schenkte der Stadt Aschaffenburg den kompletten Nachlass. - In Miesbach engagiert sich der Verein „Christian Schad Museumsfreunde“ für die Einrichtung eines Museums für den weltberühmten Sohn der Stadt. - Siehe auch den Bericht "Miesbachs vergessener großer Sohn" der BR-Abendschau vom 1. September  2014

(c) Fotos Museum der Stadt Aschaffenburg


zurück zur Startseite