Letzte Aktualisierung:
21.09.2017, 08:07 Uhr

Grenzreise zum Grünen BandEs war eine kurze Reise über eine lange Strecke in die Vergangenheit an der ehemaligen innerdeutschen Grenze & die Gegenwart am Grünen Band. Unternommen haben sie die Schüler der 6. Klasse der Mangfalltal Mittelschule Valley.

Reiseleiter war nicht ihr Klassenlehrer Michael Nürnberger, sondern der Autor Rüdiger Dingemann des Buches „Mitten in Deutschland - Entdeckungen an der ehemaligen Grenze“, der auf Einladung von Rektor Bernhard Wolf zum ersten Mal nach 40 Jahren  wieder eine Schule betrat ...

Die ehemalige Grenze in der Mitte Deutschlands ist inzwischen ein Grünes Band geworden, Teil eines europaweiten Naturschutzprojektes entlang des einstigen "Eisernen Vorhangs". - Auch wenn der deutsche Abschnitt des Grünen Bandes von Valley aus bis zu seinem südlichen Ende über 350 Kilometer entfernt & knapp 1.400 Kilometer lang ist, bewältigten die Schüler "locker" diese Entfernungen in ihrem multimedial hervorragend ausgestatteten Klassenzimmer.

Es entwickelte sich ein angeregtes Gespräch zwischen der Klasse und dem Gast, der ihnen die lästige Mathestunde erspart hatte: Munter diskutierten sie über Rosinenbomber, Berliner Teilung & Mauer, Stacheldraht, auseinandergerissene Familien, zerstörte Dörfer & Deportationen und vieles mehr. Den Kindern, im Schnitt halb so alt wie die Grenzöffnung, fiel es nicht schwer zu verstehen, was da in der Mitte Deutschlands über 40 Jahre existiert hatte – und was heute daraus geworden ist.

Um nachzuvollziehen, was diese Teilung einst für die Menschen bedeutet hatte, diente die hiesige Autobahn zum Vergleich: Wenn diese nämlich - wie weiland die "Zonengrenze" - unüberwindlich Mitterdarching von Unterdarching trennen würde. Die jungen Fußballer vom DJK Darching schüttelten nur mit dem Kopf, dass sie dann nämlich nicht mehr mit ihren Kameraden aus dem jeweiligen anderen Ortsteil eine Mannschaft bilden könnten.

Ungläubig reagierte die Klasse auf die Geschichte vom geteilten Haus an der Werra & auf das Verbot von Leitern in den  Sperrgebieten an der DDR-Grenze. Die Buben wollten viel über Minen im Todesstreifen & über Fluchtversuche erfahren. Die Erzählung von der berühmten Ballonflucht bei Naila wurde für alle zu einer spannenden Abenteuergeschichte.

Die Klasse wollte vom Autor viele Details wissen, steuerte aber auch selbst Aspekte bei, von denen sie gehört hatte.

Auf die Frage eines Mädchens, warum es eigentlich Grenzen gibt, wusste der Autor keine einfache Antwort. Er behalf sich mit Jean-Jacques Rousseaus Beispiel vom ersten Menschen, der ein Stück Land mit einem Zaun umgeben hatte: Rousseau habe daraus die Vermutung abgeleitet, dass wohl viele Verbrechen, Kriege, Morde, Elend & Schrecken dem "Menschengeschlecht" erspart geblieben wären, wenn jemand die Pfähle wieder herausgerissen hätte …

Zum Schluss ermunterte der Autor seine jungen Zuhörer, ihren Eltern, Großeltern & Urgroßeltern "Löcher in den Bauch" nach deren Erlebnissen in den vergangenen Jahrzehnten zu fragen: So würden sie noch einiges mehr über die Zeitgeschichte erfahren, die seit ihrer Geburt auch "ihre Geschichte" ist ...
(Foto: M. Nürnberger)