Letzte Aktualisierung:
13.12.2018, 11:02 Uhr

Elisabeth Janner, Miesbacher Kreistagsmitglied und Fraktionssprecherin der Grünen - und Bezirksrätin - kandidiert erneut am 14. Oktober für den Bezirkstag. Über ihr abwechslungsreiches Leben, ihr Engagement sowie ihre Motivation berichtet sie im Interview mit miesbacherseiten.de

Elisabeth JannerMBS: Wann haben Sie sich politisiert & wie und worüber + seit wann sind Sie Mitglied bei den Grünen?
E. J.: Schon als Jugendliche war ich interessiert an der Frage, wie Gemeinschaft so gestaltet werden kann, so dass sie Freiheit, Vertrauen und Lebensfreude fördert. Erste „Übungen“ sind in einer evangelischen Jugendgruppe erfolgt. Eine zeitlang habe ich in der ökumenischen Communauté Taizé gelebt. Mein Engagement gilt nach wie vor der Friedensbewegung. In Indien habe ich in einem Heim für behinderte Kinder volontiert.
Als ich dann von der Gründung der Grünen (1980) erfuhr, war es nur logisch: dieses Projekt will ich unterstützen. Mitglied wurde ich aber erst 1987. 

MBS: Wie würden sie Ihre "nachhaltige" Motivation für Ihr politisches Engagement erklären?

E.J.: Für mich ist es wichtig, Prozesse nach ihren Werten und ihrer Wirkung zu betrachten. Ein langer Atem und Vertrauen in stabile, wenn auch langsame Entwicklungen sind dazu erforderlich. Sonst landet man schnell in Frustration und einem Gefühl von Hilflosigkeit.

 

MBS: Beruf, Familie & Politik - wie ist das in Einklang zu bringen?

E. J.: Manchmal nicht einfach, aber mein Ehemann hat mich darin immer bestätigt und unterstützt.


MBS: Wie waren eigentlich die Anfänge der Grünen im Landkreis MB?
E. J.: Anfangs war der Anspruch, sehr schnell alles zum Nachhaltigen zu verändern. Der „Club of Rome“ (Grenzen des Wachstums) hat viele erschreckt und Verantwortungsbewusstsein geweckt.
Dazu kam, dass es bei den Grünen noch nicht viel Erfahrung mit politischen Prozessen und Strukturen gab. Das führte manchmal zu Ungeduld und ungutem Missionseifer. Außerdem wurden die Grünen – nicht nur in Miesbach - oftmals persönlich hart angegriffen und abgewertet (die Zitate des damaligen Landrats erspare ich mir und Ihnen lieber), was ein zielorientiertes Miteinander sehr erschwerte.


MBS: Was hat sich seitdem zum Positiven verändert?

E.J.: Die Vernetzung mit gesellschaftlichen Gruppen, Initiativen und (kirchlichen) Einrichtungen hat sich sehr positiv ausgewirkt, das Verständnis füreinander gestärkt und das gemeinsame Arbeiten verbessert. Das war eines der wesentlichen Ziele in meiner langjährigen Vorstandsarbeit.

Außerdem hatten die politischen Gegenspieler bald begriffen, dass es nicht reicht, uns Grüne zu diffamieren. Sie merkten, dass sie „Grünes“ übernehmen müssen, wenn sie die Macht nicht verlieren wollen. Dabei wurde das Copyright meist „vergessen“, die politische Entwicklungsarbeit als eigene verkauft, so wie wir das ja auch in diesem Wahlkampf wieder erleben. Manchmal ist das schwer erträglich.

 

E. J.: Was sich verändert hat: Viele unserer Anliegen werden von der Bevölkerung mitgetragen, ja gefordert. Insbesondere Kinder und Eltern beschäftigen sich viel mit Schutz der Lebensgrundlagen, mit Frieden, mit Zusammengehörigkeit.

Wir haben uns Vertrauen erarbeitet, Verlässlichkeit und Stabilität.

Derzeit erleben wir jedoch speziell im Landkreis ein heftiges, oftmals nicht an den Tatsachen orientiertes Misstrauen und Abwerten der Politiker der Grünen. Das erkennbare Ziel der derzeitigen Machthaber ist deutlich: „Das darf nicht noch einmal passieren, dass ausgerechnet in MB ein Grüner (Landrat) das Zepter in Händen hält.“

 

MBS: Wie schätzen Sie die Chancen der landesweiten Grünen am 14. Oktober ein?

E. J.: Ich arbeite mit unseren Mitgliedern und Unterstützern für ein möglichst gutes Ergebnis – den Rest müssen wir der Entscheidung der Menschen überlassen und mit dem Ergebnis ein möglichst großes Wirkungsfeld öffnen.

 

MBS: Welche grünen Zielsetzungen gibt es für eine evtl. Schwarz/Grüne-Koalition auf Landesebene & wie schätzen Sie die Möglichkeiten ein, diese auch durchzusetzen?

E.J.: Es gibt Werte, die wir nicht aufgeben dürfen und werden: Die Würde des Menschen, Schutz unserer Lebensgrundlagen, umfassende Bildung, Friedensarbeit, um einige zu nennen.

Aber Politik bedeutet immer auch Kompromissfindung, alles andere wäre Diktatur und Machtmissbrauch – die verträgt sich nicht mit unseren Grundhaltungen.

Die Durchsetzungskraft korreliert direkt mit den erhaltenen Stimmen.

MBS: Warum engagieren Sie sich besonders für den Bezirkstag? (und nicht für den Landtag?)
E.J.: Durch meine berufliche Arbeit ist der Bezirk das Gremium, in dem ich mit meiner Erfahrung und Kompetenz meine größte Wirksamkeit sehe. Er beschäftigt sich mit den Menschen, die nicht immer zu den Gewinnern gehören. Da für Ausgleich zu arbeiten, das ist ein schon immer ein Herzensanliegen von mir.
Ich liebe meinen Beruf sehr, möchte auch darin weiterarbeiten – das wär mit einem Landtagsmandat nicht möglich.

MBS: Werte und Tugenden wie Ehrlichkeit, Offenheit und soziale Kompetenz, kommen die Ihrer Meinung nach zu kurz in der Politik?
E.J.: Diese Werte kommen da genauso zu kurz wie in der Wirtschaft, in Arbeitsverhältnissen, in Familien - in allen gesellschaftlichen Bereichen.
Politik ist ein Spiegel der Menschen, die sie beauftragen – da ist die Suche nach dem eigenen Vorteil meist größer als die nach dem Gemeinwohl. Die meisten fragen: „Was bringt MIR das?“ statt „Was kann ich zu einem gemeinsam gelingenden Leben beitragen?“ und wundern sich, wenn dies zu kurzfristiger Gewinnmaximierung mit hohem Zerstörungspotential statt zu gesellschaftlicher Nachhaltigkeit führt.
MBS: Vielen Dank, Frau Janner. Das Interview führte Renate Lüdde
Fotoquelle: Grüne Miesbach