Letzte Aktualisierung:
21.09.2017, 08:07 Uhr
   
 
 

Alpenglühen
Maler in Oberbayern

 
 

Wie Lovis Corinth am Walchensee seine zweite Heimat fand
Kandinsky, Münter & Co. im Murnauer Blauen Land
Adolf Hölzl & die Künstlerkolonie Dachau


"Landschaft bei Murnau" (Ausschnitt)
Alexej Jawlensky, 1909/10
Schloßmuseum Murnau, Leihgabe der Kasser/Mochary Family Foundation



Bei den "Corinthern" am Walchensee
Eine Reportage von Johannes Winter


Lovis Corinth Weg
in Urfeld am Walchensee

„Im oberbayerischen Urfeld, wo der Maler Lovis Corinth ein Ferienhaus hatte, fand er zu seinem Altersstil. Vom See konnte er nicht lassen, die Bilder machten ihn zu einem wohlhabenden Mann
Alles hatte mit einer Geburtstagsfeier begonnen. Das „Hotel Fischer am See“ richtete sie aus. Für Lovis Corinth, den prominenten Vertreter der Berliner Sezession, zu seinem Sechzigsten, mit Seibling (auch Saibling) aus dem See und Torten, mit Erdbeerbowle und viel Champagner. Das war im Sommer 1918, gegen Ende des 1. Weltkrieges, wie Charlotte Berend-Corinth sich erinnert, Corinths Ehefrau und sein ´Schutzgeist`, selbst eine gediegene Malerin, die ihm in Urfeld für das Honorar eines einzigen seiner Gemälde ein Ferienhaus errichten ließ.

Fortan wurde Haus Petermann, wie die Bleibe im Familienkreis hieß, zur Zuflucht des Malers, wenn ihm das umtriebige Berlin über den Kopf wuchs. Die Revolution Ende 1918, als der Kaiser abdankte, hatte den Maler in tiefe Depressionen gestürzt. Nach der Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg und dem Ende der Monarchie geriet Corinth, der sich als „Preuße und kaisertreuer Deutscher“ verstand, in eine Lebenskrise. Er trauerte dem alten Berlin nach, das für ihn untergegangen war. In Urfeld am See fand er Boden unter den Füßen, eine zweite Heimat. Der Walchensee wurde ihm zum Gegenbild der Metropole.“
- Mehr von Johannes Winters Reportage findet sich auf faustkultur.de



Malen im Akkord oder die Künstlerkolonie Dachau
Die Geschichte der Landschaftsmalerei in Oberbayern
Ein Hörfunkfeature von Susanne Lettenbauer


"Unter den Künstlerkolonien Europas war die in Dachau wohl die größte. Mit Beginn der Freiluftmalerei um 1880 boomten die Malklassen, die der Künstler Adolf Hölzl gab. Was heute noch von der Tradition übrig ist - ein Ortsbesuch.

Idylle in der Innenstadt von Dachau. Ein kleiner Brunnen plätschert vor sich hin, an der Hauptstraße mit dem Kopfsteinpflaster erstreckt sich die Gemäldegalerie, ein Stück weiter am Schloss steht das Bezirksmuseum, die Schrannenhalle lädt zu einer Kunstausstellung ein und in einem kleinen Hinterhof empfängt den Besucher die Neue Galerie Dachau. Kunst vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart findet sich in Dachau in wenigen Gehminuten. Kunst aller Orten, wie schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Scharen von Malklassen von München nach Dachau fuhren und die Natur malten, die Tiere und Menschen in Tracht.

"Die große Attraktion, die Dachau geboten hat, war eben nicht nur seine Bevölkerung, die teilweise noch in Trachten zu sehen war und besonders urtümlich war mit den Gasthäusern, wo man sich getroffen hat, sondern auch das noch relativ unberührte Moos, die schöne Mooslandschaft, wo man sich - manchmal auch nur für einen Tag - zum Malen hinbegeben hat." Weitere Informationen bieten die Dachauer Galerien und Museen -  mehr



Alpenglühen im Blauen Land
Wie die "spinnerten" Künstler des Blauen Reiters das Alpenvorland entdeckten
Ein Hörfunkfeature von Susanne Lettenbauer


"Jawlensky und Werefkin"
Gabriele Münter 1909
Ausstellung "Der Blaue Reiter-Marc, Macke, Kandinsky, Münter Jawlensky" (Frieder Burda Museum)

„Der bayerische Kochelsee liegt im sogenannten Blauen Land: Die Berge, Moore, Seen und kleine Dörfer südlich von München entdeckten die Maler des Blauen Reiters um 1900 die damals noch sehr bäuerliche Gegend. Was hier entstand, verhalf vielen von ihnen zum Durchbruch.

Als Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky Murnau 1907 für sich entdeckten, war der kleine Ort am Staffelsee gerade neu von dem Architekten Emanuel von Seidl gestaltet worden. Die Häuser in bunten Farben, Bänke an der Straße, kleine Kugelakazien daneben. Im Hintergrund die Berge. Diesen Ort müsse man unbedingt gesehen haben, hieß es kurz darauf in Werefkins Künstlersalon und in Münchner Malerkreisen. Und die Maler nahmen die Bahn Richtung Süden.

1908, 1909 erlebten das 3000-Seelen-Örtchen und die Dörfer ringsum einen regelrechten Boom. Künstler, die kurz zuvor in Frankreich bei den Impressionisten waren, entdeckten plötzlich den Münchner Süden für sich.

Ob sich Alexej Jawlensky, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky bei ihrem Besuch in Murnau 1908 kurz nach ihrem Frankreichaufenthalt an die französischen Landschaften erinnerten, ist nicht überliefert:

Malen in der Natur, sich inspirieren lassen von der Landschaft, aber auch die Natur auf der Leinwand zu verfremden, das reizte die Künstler an Murnau, Sindelsdorf, Kochel … „
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