Letzte Aktualisierung:
24.07.2017, 10:30 Uhr


Valleyer  GeschichtsabendDie folgenreichsten Ereignisse aus hundert Jahren der Geschichte Valleys & Weyarns präsentierte Josef Hatzl bei einem Vortrag in Oberdarching.

Die Valleyer sind geschichtsbegeistert. Der Oberdarchinger Pfarrsaal war bis auf den letzten Platz besetzt, als Josef Hatzl, Leiter des Weyarner Arbeitskreises Geschichte, am 13. November 2014 einen informativen wie unterhaltsamen Vortrag über die folgenreichsten Ereignisse aus den letzten hundert Jahren der Mangfallgemeinden hielt.

Der versierte Lokalhistoriker, im Hauptberuf Schreiner, zog alle Register seiner akribischen Forschungen, die in mittlerweile sechs eigenen Büchern & zusammen mit anderen in insgesamt dreizehn Publikationen des Arbeitskreises dokumentiert sind.

Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen in Oberdarching standen die Valleyer Ortsteile von Darching & die Nachbargemeinde Weyarn.

Hatzls Ausgangspunkt war die Weltgeschichte & wie diese sich in der Lokalgeschichte widerspiegelte. Ihm ging es um die Spuren, die der Erste & Zweite Weltkrieg in der Region hinterlassen haben, was sich während der Zeit der Münchner Räterepublik von 1918 im Miesbacher Land zutrug & welche Auswirkungen die Inflation während der Weimarer Republik hatte.

Für die 1930er Jahre bildete dann das Propaganda-Prestige-Objekt des Drittes Reiches  in seinem Vortrag einen Schwerpunkt: Die Autobahn - schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten geplant -, die sich nicht nur in das Landschaftsbild bei Valley & Weyarn nachhaltig eingeschrieben hat. Hatzl zeigte Bild- und Tondokumente vom Ausbau der Strecke München-Rosenheim & vor allem vom Bau der Mangfall-Autobahnbrücke (1935).

Dass es in der Region noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 Kämpfe mit den heranrückenden US-Truppen gegeben hatte & die Mangfallbrücke von der Deutschen Wehrmacht gesprengt worden war, war vielleicht nicht jedem im Saal bekannt, der es nicht selbst miterlebt bzw. erzählt bekommen hat. (1948 wurde die Brücke dann wieder aufgebaut, 1958 erneuert.)

Aufschlussreich war auch die Geschichte des Holzkirchner Flugplatzes, der erst von der Luftwaffe für ihre Jagdflugzeuge Messerschmitt Bf 109 genutzt und nach 1945 von der US-Airforce als Airfield R.93 übernommen wurde: erst als Militärflugplatz, dann als Friedhof für Hunderte von ausrangierten Bombern. Ab 1950 wurde auf dem Gelände der Sender für das für Osteuropa bestimmte Programm von Radio Liberty errichtet. Die Sendeanlage bereitete bis 2003 den Anwohnern in Oberlaindern manch schlaflose Nacht & sogar gesundheitliche Probleme. Ihr massiver Protest führte bekanntlich zum Abbau der Masten; heute wird hier Golf gespielt.

Hatzl bot einen sehr anschaulichen Hundertjahre-Überblick - mit vielen Details & unbekannten Dokumenten, die in einer spannend aufbereiteten animierten Powerpoint-Präsentation zu sehen & zu hören waren.

Als die Technik zum Vortragsbeginn streikte, sprang während der Reparaturphase Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr mit einigen interessanten, aus dem Stegreif gemachten Anmerkungen zur "Wassergeschichte" des Mangfalltals ein.

Summa sumarum:
Es waren informative zwei Stunden. Es gab viel anerkennenden Beifall.
Doch da man als Zuhörer nicht alles im Gedächtnis behalten kann, wäre sicherlich eine für das Internet aufbereitete Version des Vortrags hilfreich - auch in einer gekürzten Fassung.

Hatzls Vortrag konnte naturgemäß nur eine Auswahl bieten: Für die Lokalgeschichtsschreibung gibt es noch manches Thema, das an diesem Abend nicht angesprochen werden konnte, aber von den Valleyern aufbereitet werden sollte.
Zu diesem Zweck wurden die Besucher am Schluss aufgefordert, Fotos aus vergangenen Zeiten zur Verfügung zu stellen. Wer schon welche dabei hatte, konnte sie auch gleich einscannen lassen.