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14.06.2019, 06:50 Uhr
    


HörTipps 14.6.19

Bashing

15.04.2019
News & Infos >> Kultur News

Was man derzeit in Deutschland erlebe, sei ein massives "Bauern-Bashing", zitierte die Süddeutsche Zeitung (13.4.) den Ackerbauern und Schweinemäster Robert Wellnecker. So ähnlich sieht das auch der Bayerische Bauernverband, der zwar noch nie die Unschuld vom Lande war, sondern stets eine beinharte Berufslobby, gelegentlich mit ideologischen Untertönen à la "Reichsnährstand" – aber wo er recht hat, da hat er recht.
Pauschaldiffamierungen helfen nicht weiter, sondern entmutigen oft genau diejenigen, auf die es ankommt, wenn Landwirtschaft&  Umweltschutz zusammenkommen sollen.
Und dann gibt es mindestens noch ein modisches Bashing, und das zielt auf die christlichen Glaubensgemeinschaften, speziell auf die katholische Kirche. Alles potentielle, manchmal sogar wirkliche Triebtäter, oder?
Alles verschwitzte, abstoßende Sexualverbrecher, die von einer altehrwürdigen Institution auch noch in Schutz genommen werden? Auch das ist ein undifferenziertes, unterkomplexes Pauschalurteil, das Tausende von Priestern und Laien, die sich ernsthaft und ehrlich um eine bessere Kirche bemühen, leichtfertig und oft ohne jegliche Ahnung vom katholischen Gemeindeleben diffamiert...
Da ist es dann besonders hilfreich, wenn der bayerische Ex-Papst im Austrag Behauptungen verbreiten darf, die es nahelegen, diesen 92-Jährigen nicht mehr wirklich ernst nehmen zu können. Aber deswegen gleich auf alles Katholische draufhauen? Sonnenklar:
Es führt auch in der katholischen Kirche kein Weg daran vorbei, sich seiner Verantwortung voll und ganz zu stellen. Welcher junge Mensch engagiert sich denn noch in einer Kirche, die ihre Energie hauptsächlich darauf verwendet, eigene Schuld auf Andere abzuwälzen? In der Praxis aber sieht es – gottseidank, möchte man da sagen – anders aus. Mitmenschen pauschal zu diffamieren, die sich trotz alledem in der katholischen Kirche zu Hause fühlen? Ist das wirklich anders zu bewerten als das pauschale Diffamieren von Menschen, die eine andere Hautfarbe haben als die weiße? – Ja, viele Priester haben reichlich Kritik verdient, und viele Bauern ebenfalls.
Aber „Bashing“? In einer Zeit, in der sich die christlichen Konfessionen in Deutschland viel schärfer bekämpften als heute, schrieb der protestantische Theaterkritiker Theodor Fontane über das heute zu Recht vergessene Stück Die Gefangenen von Metz von Karl Gutzkow: „Das Antifranzösische darin mochte noch gehen, aber es traf sich auch so, daß es auch antikatholisch war, ja das erst recht. Und ein von Borniertheit eingegebener Antikatholizismus ist mir immer etwas ganz besonders Schreckliches gewesen.“ Also bitte: Macht mal halblang! Von Klaus Hübner

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