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HörTipps 14.6.19

"Servus Zukunft" (?)

22.03.2019
News & Infos >> Oberland Bayern News

"Servus Zukunft" lautet eine Initiative der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) im Landkreis Miesbach. Wie bitte? - Geht's noch? In Zeiten, in denen junge Menschen für ihre Zukunft freitags die Schule schwänzen & auf die Straße gehen ...

"Servus" kommt aus dem Lateinischen & meint "(dein) Diener". Die Interjektion wird besonders im Bayrischen & Österreichischen verwendet. Sie ist ein Begrüßungs- sowie zugleich Verabschiedungsgruß. Die meisten Nicht-Bayern verstehen Servus als Abschiedsgruß (siehe den Duden, der mehr Synonyme für den Abschiedsgruß als für die Begrüßung auflistet).

Dazu passend sind die Ausführungen der ehemaligen bayerischen Wirtschaftsministerin (sic!) & jetzigen Landtagspräsidentin Ilse Aigner (von fast jedem Regionalpolitker gern mit "liebe Ilse" begrüßt), die bei der Eröffnung des „PopUp InnovationsHubs“ in der Büttenpapierfabrik Gmund am 15. März 2019 schwadronierte:
"Digitalisierung hat an einem Punkt ganz wesentlich ihre Grenzen: Das ist eben genau die Kreativität."  -
"Ahhh ja!" würde dazu Loriot sagen ... Oder anders ausgedrückt: Provinzielle Arroganz/Ignoranz & mangelnde Kompetenz für die digitalen Herausforderungen feiern wieder einmal Urstände im bayerischen Oberland.

Die CSU-Politikerin stellt sich mit ihrer Aussage, was die digitalen Zukunftsperspektiven anbetrifft, in eine Reihe mit Helmut Kohl, der 1994 einmal zu Protokoll gab, dass wir genug Autobahnen hätten, als er zur Datenautobahn befragt wurde & Angela Merkel, für die 2013 das Internet immer noch "Neuland" war. Die "liebe Ilse" hat offensichtlich noch nichts von der rasanten Entwicklung der KI (Künstliche Intelligenz) gehört, die schon aus sich heraus kreativ ist. Zugegeben häufig noch im Versuchsstadium - doch selbstfahrende Automobile sind keine Utopie mehr. Wir ersparen uns hier weitere zahlreiche Beispiele & Link-Hinweise: Es genügt, aufmerksam die Nachrichten aus Wissenschaft & Technik sowie Wirtschaft zu verfolgen.

Für die engagierte Freitagsgeneration muss es wie Hohn in ihren Ohren klingen: fühlt sich wahrscheinlich auch veräppelt (evtl. aber auch bestätigt), wenn sie "Servus Zukunft" hört oder liest. Investoren innerhalb, aber vor allem außerhalb der Miesbacher Landkreisgrenzen reagieren verschreckt  &  schütteln nur den Kopf, wenn sie von einer Initiative einer "Standortmarketing" Gesellschaft mit dem vielsagenden Titel "Servus Zukunft" hören.

Nachfolgend verweisen wir auf den mit "sko" gekennzeichneten Bericht im "Gelben Blatt" vom 20. März 2019 über die Eröffnung des „PopUp InnovationsHubs“ in Gmund; (gemeint ist das "temporäre Innovationszentrum" bei "Gmund Papier")

"Das Testprojekt der Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach (SMG) und des WirtschaftsForums Oberland (WFO) sollte vorausschauende Macher und kreative Gestalter zusammenbringen und für die Region Impulse setzen…“, heißt es. Nun denn - dann man los ...

Mehr zum Start der SMG-"Servus Zukunft“-Initiative im Jahr 2017, einer Kampagne, bei der es um "Identität vereint mit Innovation und Kreativität" gehe, wie vollmundig erklärt wurde hier

Sicherlich ist die SMG-Initiative mit dem etwas verunglückten Titel ja gut gemeint für den oberbayerischen Wirtschaftsstandort; doch merke: gut gemeint kann schnell ins Gegenteil umschlagen, denkt doch mancher Zeitgenosse bei "Servus" u.a. an Peter Kreuders Song "Sag beim Abschied leise Servus" (auf youtube findet sich eine von Hermann Prey gesungene Fassung) und nicht an einen Willkommensgruß an digitale Zukunftsaussichten.
RD

Abb. (c) Brand History

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